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Regelmäßig werden wir von unseren Kunden mit Klagen über die mangelnde Qualität von Seiten ihrer indischen Mitarbeiter, Lieferanten und Partner konfrontiert. Die Vorgaben über Qualität, Termine und Produktionsprozesse werden aus europäischer Perspektive häufig nicht zufriedenstellend und nachhaltig eingehalten.

Die schlechte Qualität von Produkten und Dienstleistungen und eine mangelnde Verbindlichkeit in der Zusammenarbeit mit dem Mutterunternehmen scheinen zu den größten Problemen in Indien zu zählen. Viele deutsche Unternehmer sehen in den „indischen Verhaltensweisen“ gar „Schlitzohrigkeit“, „Betrügerei“ und „mangelnde Loyalität“.

Das Qualitätsbewusstsein deutscher und indischer Mitarbeiter im Vergleich

Wir wollten diesem subjektiven Gefühl einmal nachgehen. Zu diesem Zweck haben wir im vergangenen Jahr stichprobenartig Mitarbeiter unserer Bestandskunden zum Thema „Qualität in Indien“ befragt – jeweils im deutschen Stammhaus und in der indischen Tochtergesellschaft.

Die einzige Frage bei unserer kleinen internen „Studie“ war: „Wie viel Prozent Abweichung von Zeitvorgaben und Budget sind akzeptabel, um ein Projekt noch als Erfolgreich zu bezeichnen?“

Die interessanten Antworten:

  • Deutsche Mitarbeiter: 5-25% Abweichung sind okay (Durchschnittswert 12%)
  • Indische Mitarbeiter: 35-50% Abweichung sind okay (Durchschnittswert 43%)

Sicherlich lässt die kleine Stichprobengröße (22 indische und 19 deutsche Mitarbeiter) keine repräsentative Aussage über die indische Gesellschaft zu, aber es lassen sich trotzdem deutliche Tendenzen erkennen:

Abweichungen vom vereinbarten Ziel werden in Indien wesentlich unkritischer gesehen als in Deutschland. Selbst der anspruchsvollste indische Mitarbeiter sieht Abweichungen von 35% als vollkommen akzeptabel an und liegt dabei weit über dem extremsten Wert seiner deutschen Kollegen (25%).

Erfolgreiches Qualitätsmanagement in Indien

Dieses kleine Beispiel kann verdeutlichen, dass das Verständnis von Pünktlichkeit, Qualität und Kundenzufriedenheit zwischen Indien und Deutschland deutlich voneinander abweicht. Entsprechend wichtig ist es, dass abstrakte Ziele aus dem europäischen (oder deutschen) Qualitätsmanagement mit dem indischen Management vor Ort chirurgisch präzise in Einzelvorgaben zerlegt werden. Ferner müssen alle Maßnahmen zur Zielerreichung schon vor Beginn im Detail erarbeitet werden.

Die jedem Arbeitsschritt zugrunde liegenden Prozesse und Zielvorgaben müssen verbindlich festgelegt werden – ebenso alle Kontroll- und Feedbackprozesse zur Überprüfung der erreichten Ziele. Dies muss in Indien viel detaillierter erfolgen als in Deutschland und die Vorgaben müssen wirklich jeden auch noch so kleinen Arbeitsschritt umfassen.

Allgemeine Anweisungen á la: „Unsere Qualitäts-, Termin- und Prozessvorgaben müssen in Indien zu 100% eingehalten werden“ reichen für Indien nicht aus, denn sie sind nicht konkret genug und lassen zu viel Raum für persönliche Interpretation durch die einzelnen Mitarbeiter und Teams.

Unser Fachbereich „WB human resources®“ beschäftigt sich intensiv mit Fragen zur Organisation und zur Führung & Steuerung indischer Tochtergesellschaften – insbesondere auch in Bezug auf die hier erwartete Qualität von Produkten und Prozessen. Ein Schwerpunkt unserer Beratertätigkeit liegt in der kundenorientierten Problemanalyse und der Erstellung praxisnaher Lösungen für den Umgang des deutschen Stammhauses mit der indischen Niederlassung.

Sprechen Sie mit uns über Ihr Thema Qualitäts- & Prozess Thema in Indien!

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