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Am Montag und Dienstag kommender Woche finden in Berlin die vierten Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen statt. Agenda und Teilnehmer sind noch unklar, die Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit – mit den Schwerpunkten Smart Cities, Infrastruktur und Umwelttechnologie (Clean India) – dürfte aber für beide Seiten im Mittelpunkt stehen.

Narendra Modi in Deutschland

Narendra Modi sieht in Deutschland wichtigen wirtschaftlichen Partner

Indien sieht Deutschland als wichtigen Partner seine wirtschaftlichen Reformprogramme umzusetzen. Zu diesem Zwecke treffen sich seit 2011 die Kabinette beider Länder im Zweijahresrhythmus abwechselnd in Deutschland und Indien zu den Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen.

2011 und 2015 reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel mit zahlreichen anderen Regierungsvertretern nach New Delhi. Nach 2015 – Indien Partnerland der Hannover Messe – lädt nun Deutschland am 29. und 30. Mai 2017 Narendra Modi zum zweiten Mal während seiner Amtszeit als Premierminister in die Bundesrepublik ein. Welche Minister diesmal auf indischer Seite noch dabei sein werden, ist zur Stunde noch unbekannt.

Deutschland für Indien heute bereits unverzichtbarer Partner

Für Premier Modi scheint Deutschland Modell zu stehen für seine Zukunftsvision einer leistungsstarken indischen Wirtschaft. Der indische Regierungschef ist überzeugt davon, dass Indien eine starke Exportorientierte Industrie nach dem Vorbild Deutschlands braucht, nicht zuletzt um seiner Bevölkerung Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Denn in den letzten zwanzig Jahren haben relativ gesehen sehr wenige seiner Landsleute von der wirtschaftlichen Öffnung und dem Boom im IT- und Dienstleistungsbereich profitiert. Mehr als die Hälfte der indischen Bevölkerung arbeitet noch in der Landwirtschaft oder als Kleinstunternehmer im informellen Sektor – bei entsprechend geringer Wertschöpfung und Einkommen unter der Armutsgrenze.

Make In India

Make In India Kampagne wirbt für (deutsche) Investitionen in Industrie

Daher ist es eines der primären Ziele von Narendra Modi die Industrieproduktion in Indien deutlich zu steigern. Zu diesem Zweck hat er unter anderem die „Make in India“-Kampagne gestartet. Sie soll internationale Investoren motivieren in Indien zu produzieren, Technologie ins Land zu bringen und Millionen von Arbeitsplätzen im Produktionsbereich schaffen.

Deutschland kommt bei der Modernisierung der indischen Industrie eine besonders wichtige Rolle zu. Deutschland zählt bereits seit Jahrzehnten zu den zehn wichtigsten ausländischen Direktinvestoren in Indien. Und schon heute ist die Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern, insbesondere Maschinen und Anlagen, ausgesprochen hoch und maßgeblich für den Exportüberschuss von deutlich über 2 Milliarden Euro verantwortlich. Modi weiß: um Indien zu einem globalen Produktionsstandort zu machen, braucht es aber mehr (deutsche) Maschinen. Die heimische Maschinenbau-Branche könnte entsprechend stark von den Investitionen im südasiatischen Wachstumsmarkt profitieren.

Deutsche Industrie bleibt in Indien deutlich hinter den (eigenen) Erwartungen

Trotz dieser rosigen Aussichten, ist in der deutschen Industrie von Euphorie zurzeit allerdings noch nicht viel zu spüren. Die wirtschaftliche Realität auf dem Wachstumsmarkt wird von den Unternehmen als deutlich härter wahrgenommen als die kolportierten Zahlen vermuten lassen.

Geschäftsklimaindex Indien

Geschäftsklima Indien (Download)

Zu diesem Ergebnis kommt die erste öffentliche Erhebung zur wirtschaftlichen Stimmung der deutschen Exporteure und Investoren in Indien, durchgeführt von der Unternehmensberatung Dr. Wamser + Batra GmbH mit Sitz in Bochum. Denn nur 29 Prozent der Unternehmen aus Deutschland bewerten ihre aktuelle Geschäftslage in Indien als gut, dagegen 21 Prozent als schlecht.

Laut vorliegender Studie (WB Geschäftsklima-Index Indien, Stand April 2017) erzielte der deutsche Mittelstand im letzten Jahr in Indien nur magere Wachstumsraten. Nach eigenen Angaben sehen sich etwa zwei von drei Unternehmen in Indien zwar auf Wachstumskurs, verzeichnen aber mehrheitlich nur leicht steigende Umsatzzahlen. Dagegen stagniert jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) auf gleichem Niveau und 13 Prozent der Unternehmen müssen sogar rückläufige Umsätze melden. Nur knapp jedes dritte Unternehmen (30 Prozent) kommt an seine selbst gesteckten Vertriebsziele heran. Ein Großteil der Unternehmen verfehlt diese aber deutlich – 42 Prozent sogar um mehr als die Hälfte!

Der Ausblick ist aber positiver: Etwa jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) erwartet für die kommenden 12 Monate einen günstigeren Geschäftsverlauf, nur 9 Prozent sehen einer ungünstigeren Geschäftslage in Indien entgegen.

Es bleibt abzuwarten, ob es Kanzlerin Merkel und Premierminister Modi bei den Deutsch-indischen Regierungskonsultationen gelingt die Stimmung der deutschen Industrie in Bezug auf den indischen Markt zu heben und dort aktiver zu werden.

Download Pressemeldung Deutsch-Indische Regierungskonsultationen 2017

 

zur Studie: WB Geschäftsklimaindex Indien

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