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Es kursieren viele Klischees, die uns suggerieren, dass wir unser Verhalten in Indien den dort vorherrschenden Sitten und Gebräuchen anpassen müssten, um – gelinde gesagt – nicht unangenehm aufzufallen.

In Wirklichkeit ist der Benimmcode für ausländische Besucher sehr einfach: Vergessen Sie weitestgehend die Tipps kluger Indienratgeber, die Ihnen weismachen wollen, dass Sie in Indien nicht über gewisse Themen reden dürften. Na klar dürfen Sie! Die Frage ist nicht „ob“, sondern eben nur „wie“. Auch erwartet niemand von Ihnen, dass Sie zur Begrüßung die Handflächen in Brusthöhe senkrecht nebeneinander legen, eine Verbeugung andeuten und dabei „Namaste“ murmeln – solch „klugen“ Tipps sind für die Praxis absolut irrelevant.

Warum interkulturelle Trainings?

Um in Indien geschäftlich beziehungsweise beruflich zurecht zu kommen, müssen Sie sich natürlich auf Land und Leute vorbereiten – keine Frage! Mangelnde Kenntnis und Erfahrung mit der indischen Kultur führt früher oder später zu Problemen in der Zusammenarbeit, sodass Sie Ihre Ziele in Indien nicht erreichen (siehe Warum Unternehmen Ihre Ziele nicht erreichen).

Aber anders als all die Anbieter von Interkulturellen Trainings von der Stange plädieren wir für maximalen Praxis-Bezug – anstatt sinnloses Trockentraining. Denn theoretische Modelle, fiktive Fallbeispiele und peinliche Rollenspiele bringen Sie und Ihr Unternehmen in Indien nicht weiter – ganz im Gegenteil!

Worauf es bei der Kommunikation in Indien wirklich ankommt!

Durch eine „Hyper-Sensibilisierung“ , nur in ja kein kulturelles Fettnäpfchen zu tappen, tendieren Europäer in der Praxis häufig dazu, kritische Themen lieber erst ganz zu vermeiden oder zumindest nur halbherzig zu besprechen – zum Beispiel Exit-Klauseln bei Joint Venture Verträgen. Es scheint sogar, dass ein „Zuviel“ an interkultureller Vorbereitung viele Manager übersensibilisiert und dass sich dadurch das Machtverhältnis zwischen europäischen und indischen Geschäftspartnern letztendlich zu „unseren“ Ungunsten verschoben hat.

So wird das Ziel interkultureller Kommunikation, nämlich effektiv und effizient mit Geschäftspartnern zu kommunizieren, oft aus den Augen verloren. Interkulturelle Kommunikation ist aber kein Selbstzweck, sondern soll Sie ermächtigen, langfristige Geschäftsbeziehungen und nachhaltige Organisationen aufzubauen, um in Indien die wirtschaftlichen Potentiale auch zu nutzen.

Prozesse und Strukturen folgen der Kultur

Um kollektive Verhaltensmuster in Indien zu verstehen, machen Modelle á la Hofstede (Stichwort Kulturdimensionen) natürlich Sinn. Weit kommt man damit im individuellen Fall allerdings nicht. Wenn man zur Kenntnis nimmt, dass „Inder“ ein völlig anderes Hierarchieverständnis haben, wird klar, dass westliche Kommunikations- und Führungsgrundsätze in Indien nicht anwendbar sind.

Unser Fachbereich WB human resources® beschäftigt sich unter anderem mit der Gestaltung von Aufbau- und Ablauforganisation in Indien. Wir erarbeiten in unseren „interkulturellen Seminaren“ keine Do‘s & Don‘t, sondern

  • definieren konkrete Strukturen in und für Indien,
  • identifizieren relevante Schnittstellen im Stammhaus,
  • schaffen eindeutige Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Befugnisse,
  • legen Kontroll- und Steuerungsprozesse fest, und
  • vermeiden so Missverständnisse und Interpretationsspielräume.

In unsere Managementhandbuch für Indien beschreiben wir zahlreiche Instrumente und Methoden für erfolgreiche Führung und Steuerung in Indien.

Interkulturelles Management ist kein reines Personalthema

Interkulturelles Management betrifft alle (!) Bereiche eines Unternehmens und nicht nur die persönlichen Interaktionen zwischen Fach- und Führungskräften unterschiedlicher Kulturen.

Die unterschiedlichen Wertevorstellungen und kulturellen Besonderheiten spielen auch im Marketing, Vertrieb oder Service eine entscheidende Rolle und werden daher in all unseren Projekten (zum Beispiel bei Vertriebsoptimierungsprojekten etc) berücksichtigt.

Daher gibt es bei uns auch keine interkulturellen Trainings als isolierte Schulungsmaßnahme zu kaufen. Wenn wir allerdings die konkreten Herausforderungen eines Unternehmens kennen, können wir interdisziplinär konkrete Lösungen für die Praxis erarbeiten, die der Zielerreichung dienen. Der kulturelle Aspekt ist dabei genauso wichtig wie technische, Gesellschafts- und Steuerrechtlichte Themen.

So gesehen ist unser Beratungsansatz interdisziplinär, und NICHT (isoliert) interkulturell!

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