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Die Inder sind schuld!“, lautet, stark vereinfacht, eine typische Klage im Indien-Geschäft. Egal ob die indische Bürokratie, das eigene Personal, Kunden oder Lieferanten – die Probleme scheinen immer und ausschließlich von den „Indern“ verursacht zu werden: eine nicht erteilte Genehmigung, Monate langes Warten auf das Bankkonto, vertrieblicher Misserfolg oder Lieferanten, die nicht liefern, was und wann sie sollen. Diese Liste ist exemplarisch und ließe sich quasi endlos fortsetzen. 

Täglich werden wir als Indienberater mit all diesen Problemen konfrontiert, die in Indien, oder durch Inder, entstehen und unternehmerischen Schaden verursachen, und sollen diese lösen (, was selbstverständlich auch unser Geschäft ist). 

Kleine Unachtsamkeiten im Stammhaus … 

Dabei lohnt es sich erstmals einen Schritt zurück zu machen. Denn nur so lässt sich objektiv beurteilen, wie es eigentlich zu dem Problem kommen konnte. Bei ausreichend Distanz und kritischer Analyse wird klar, dass auch die europäische Seite in der Regel eine nicht zu unerhebliche Mitschuld trägt, wenn es in Indien mal nicht so rund läuft. Die übergeordneten Hauptgründe und Managementfehler sind unter anderem: 

  • unklare Strategie für den indischen Markt, 
  • „Einflüsterer“ und „Berater“ (Stichwort Superinder), die hauptsächlich ihr eigenes Interesse verfolgen, 
  • unzureichende bzw. untaugliche Steuerung der eigenen indischen Organisation
  • mangelnde Sorgfalt und Voraussicht bei der Planung der indischen Unternehmung, insbesondere ein schlampiges vertragliches Setup (siehe hier), 
  • fehlendes Controlling, und die damit einher gehende Intransparenz, sowie auch oft
  • die Person des Unternehmenseigentümers (wenn diese nicht mit dem indischen Management die gleichen Werte teilt sind Eskalationen vorprogrammiert) 

eskalieren in Indien gerne zu mittleren Katastrophen. 

In einem weitgehend „unreifen“ Markt und unregulierten Umfeld, mit Schwächen in Infrastruktur und Prozessen, kommt es nicht selten vor, dass gewisse Unklarheiten zu kleineren Krisen eskalieren. Denn in Indien gilt: Alles was nicht explizit verboten ist, ist erlaubt.

Dieses Verständnis birgt selbstverständlich jede Menge Konfliktpotential in sich. Andererseits werden wieder gewisse Prozesse, zum Beispiel in der indischen Bürokratie, nach dem Motto „Alles was nicht wirklich eindeutig ist, wird auch nicht erledigt“, penibel genau eingehalten, sodass ohne die dritte Kopie der Geburtsurkunde des Vaters der Antrag nicht bearbeitet werden kann. 

Machen Sie Ihre Hausaufgaben! 

Indien ist zwar bekannt für Ad-Hoc Management und Improvisationstalent. Aber man sollte nicht zwangsläufig voraussetzen, dass indische Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten etwaige Anforderungsänderungen oder Unzulänglichkeiten ihrer europäischen Partner kompensieren – ganz im Gegenteil! In Indien ist man sehr geübt darin, vorhandene Defizite (an Information, Abstimmung, Klarheit etc.) für seine eigenen Interessen zu nutzen oder zumindest den eigenen Unwillen damit zu begründen. 

Überlassen Sie ihre indische Gesellschaft jedenfalls nicht sich selbst! Erledigen Sie ihre eigenen Aufgaben (insbesondere was Strategie und Planung betrifft) mit absoluter Akribie und lassen Sie keinerlei Interpretationsspielräume zu. Bleiben Sie stets unangreifbar und bringen Sie als europäischer Partner das ein was von Ihnen erwartet wird: Klare Struktur, eindeutige Prozesse und allerhöchste Qualität. 

Indien braucht eine wesentlich höhere „Management Attention“ und den allerhöchsten Support. Nur so kann ihre Organisation, beziehungsweise ihr Team in Indien, die Vorgaben auch erfüllen und nicht falsch abbiegen. Denn kleine Managementfehler bestraft der Liebe Gott in Indien sofort. 

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